
In der letzten Gemeinderatssitzung wurde über eine Petition beraten, welche die Abschaffung der sogenannten Lebendkrippe in Haslach forderte. Über 450 Menschen aus dem PLZ Gebiet Haslach, Hofstetten und Fischerbrach forderten, künftig keine Esel und Schafe mehr über die Weihnachtszeit als Teil der Krippe in der Innenstadt zu halten. Am Ende stimmte leider nur unser Stadtrat Yannik Hinzmann für die Abschaffung der Lebendkrippe.
Rede
„Sehr geehrter Herr Bürgermeister Armin Hansmann, liebe Kolleginnen und Kollegen,
diese Petition zeigt für mich anschaulich die Frage auf, wie wir als Menschen unsere heutige Umgebung wahrnehmen und mit unserer Umwelt bzw. manche nennen es auch Mitwelt umgehen.
Da ist einerseits die Sitzungsvorlage, in der die Verwaltung schreibt, es hat sich halt als Tradition etabliert, dass wir Tiere jedes Jahr an Weihnachten auf engem Raum einpferchen und sie dann von den Menschen als Attraktion anschauen lassen. Lebewesen sollen für unser weihnachtliches Ambiente herhalten, damit wir in Weihnachtsstimmung kommen und vielleicht ein paar Touristen anziehen.
Im Gegensatz dazu sagt die Petition, dass wir Tiere nicht einfach nur als Anschauungsobjekte unterwerfen sollen. Tiere haben ebenfalls Rechte und auch Gefühle. So argumentiert die Verfasserin meiner Meinung nach richtig, dass die Tiere durchaus gewissem Stress ausgesetzt werden, gerade an Tagen, wenn besonders viel in unserer Stadt los ist.
Besonders erschrocken war ich in diesem Jahr, als ich feststellte, dass die Tiere auch über Silvester in der Krippe standen. Deshalb hätte ich hier schon mal einen Ergänzungsantrag, dass wenn der Rest des Rates der Abschaffung der lebend Krippe nicht zustimmen kann, wir doch wenigstens dafür sorgen, dass diese am Silvesterabend nicht in der Innenstadt sind.
Vielleicht aber nochmal kurz was grundsätzliches zum Thema Tierrechte und was das mit einer Gesellschaft macht. Wir haben uns die Welt samt anderer Lebewesen mittlerweile zu Untertanen gemacht. Viele Menschen, denken, dass der Mensch die vorherrschende Spezies ist und wir deshalb mit Tieren und Natur umgehen können wie wir wollen. Ja bei vielen herrscht leider auch noch immer der Gedanke vor, dass manche Menschen von Natur aus besser als andere seien.
Die ersten Nutztiere wurden vor ca. 11.000 Jahren domestiziert, als der Mensch sesshaft wurde und somit auch die Sklavenhaltergesellschaft begann. Damals kam es auch vielen herrschenden Sklavenhaltern absurd vor, dass die Sklaven gleiche Rechte wie ihre Besitzer haben sollten. Man stellte sie eher mit den Nutztieren gleich. Im Laufe der Geschichte hat sich das zum Glück verbessert, auch wenn es in Zeiten der Kolonialisierung wieder herbe Rückschritte gegeben hat.
Es ist noch nicht mal 100 Jahre her, seit die letzten Menschen in Zoos ausgestellt wurden, nur weil sie eine andere Hautfarbe hatten. Während sich die Menschenrechte dahingehend in den letzten Jahrzehnten verbessert haben, tat sich für Tiere ein dunkles Kapitel beim Thema Massentierhaltung auf.
Heute sind wir da zum Glück schon ein bisschen weiter und in unserem Land gibt es zumindest Tierwohlgesetze. Auch wenn diese meiner Meinung nach viel zu oft nicht eingehalten werden oder nicht weit genug gehen.
Was will ich damit sagen? Die Geschichte hat gezeigt, dass wir Traditionen auch hinterfragen sollten. Sie hat ebenfalls gezeigt, dass Rechte, egal ob Menschen- oder Tierrechte, einem steten Wandel unterliegen. Es geht hier heute auch nicht darum, dass wir alle Veganer werden sollen. Sondern es geht darum, ob Haslach sich entscheidet, Teil einer fortschrittlichen Entwicklung zu sein oder wir uns für ein meiner Meinung nach rückständiges Denken entscheiden, bei dem Tiere als bloßer Besitz und Anschauungsobjekt gesehen werden. Mhatma Ghandi hat dazu passend gesagt: „Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandelt.“
Deshalb würde ich mich heute freuen, wenn wir nicht die alte Traditionen verfestigen, sondern uns mutig und empathisch zeigen.“